Der Waldrapp "Shorty" und die Waldrappen in der Fasanerie am Landsgemeindeplatz

Sicher haben Sie in den Medien von Shorty gelesen, dem tapferen Waldrapp in unserer Nähe, der beim Vogelzug den Anschluss nach Süden verpasst hat.
 
Der Waldrapp ist eine vom Aussterben bedrohte Zugvogelart
Vor mehreren hundert Jahren lebte der Waldrapp als Zugvogel in ganz Nordafrika, im Nahen Osten, im Westen des Balkans, in Frankreich, Österreich, Italien, Spanien, Süddeutschland und in der Schweiz. Die Schweiz zählte zum Hauptbrutgebiet dieses exotisch anmutenden Vogels. Er lebte von Frühling bis Sommer im Schweizer Alpenraum und zog zur Überwinterung in den Mittelmeerraum oder nach Nordafrika.
 
Im 17. Jahrhundert (1650) starben die Waldrappe in Mitteleuropa aus. Die Gründe, die zur Ausrottung dieser Vögel geführt haben, sind vielfältig. Die Forschung geht davon aus, dass dies mit dem Klimawechsel, der intensiven Bejagung und dem Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zusammenhängt. Die Jungtiere galten im Mittelalter als Delikatessen. Zudem gab es viele Korrekturen der Feuchtgebiete und die Waldrappe verloren ihre Brutgebiete und Futterplätze. Laut IUCN (Rote Liste bedrohter Tierarten) gibt es nur noch wenige Hundert wildlebende Waldrappe in Marokko im Souss-Massa National Park und Tamri, in Syrien, und eine Kolonie von etwa 100 Vögel besiedeln die Steilwände am Ufer des Euphrat vor der türkischen Stadt Birecik.

Nur dank der Zucht dieser Vögel im Rahmen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EPP) wird das Überleben dieser Art gesichert. Das Artenschutz- und Forschungsprojekt Waldrappteam (Dr. Johannes Fritz / Leiter / www.waldrapp.eu) informierte kürzlich nach der Sichtung von Shorty in der Deutschen Schweiz, dass es weltweit weniger als 30 Waldrappe gibt, die das arttypische Zugverhalten zeigen; der Grossteil davon gehöre zu einem Wiederansiedlungsprojekt in Europa. Junge Waldrappe müssen einmal einem zugerfahrenen Artgenossen in das Wintergebiet folgen, um die Flugroute zu lernen.
 
Der Waldrapp ist ein interessanter und geselliger Vogel
Am Auffälligsten ist der rote, lange, nach unten gebogene Schnabel. Dieser besteht nicht wie bei den meisten Vögeln aus Horn, sondern aus einem durchbluteten Knochen, der mit verhornter Haut (Keratin) bespannt ist und Tastsinneskörper enthält. Der Waldrapp hat ein breites Nahrungsspektrum: kleine Wirbeltiere wie Amphibien, Eidechsen, Schlangen, kleine Nager und Vögel, aber auch Insekten und deren Larven, Würmer sowie Beeren, Wurzeln und Keimlinge. Für die Nahrungssuche stochert er mit seinem langen, krummen Schnabel tief im lockeren Erdreich. Waldrappe sind sehr gesellig und fühlen sich nur unter Artgenossen wohl. Ohne ihre Kolonie fangen sie nicht an zu brüten. Interessant zu beobachten ist auch ihr Begrüssungsritual und die dazugehörigen charakteristischen chrup-chrup-Rufe.
 
Die Waldrapp-Kolonie des Ornithologischen Vereins der Stadt Zug hat in den vergangenen Jahren immer wieder erfolgreich gebrütet. Bestimmt können Sie auch dieses Jahr wieder die interessanten Vögel beim Nestbau und der Aufzucht der Küken beobachten.
 

Waldrapp mit Jungtier